Aikido - ein persönlicher Erklärungsversuch
In vielen Büchern kann man
nachlesen was sich hinter der von O Sensei
Morihei Ueshiba entwickelten Kampfkunst
Aikido verbirgt (siehe Literaturliste
weiter unten). Ich will dies alles nicht wiederholen, sondern ein paar
persönliche Gedanken und Eindrücke darlegen und hoffe so den ein oder anderen zu
motivieren, uns einmal beim Üben des Ki Shin Tai Aikido zu besuchen.
Der Schlüssel steckt aus meiner Sicht im Ai = Harmonie und Liebe. Es geht um Harmonie von Geist, Herz und Körper = Ki Shin Tai mit dem Ziel, effektive Techniken durch intuitives, zeitlich nicht verzögertes Handeln zu ermöglichen. Harmonisch wirken die Abläufe im Aikido, die durch kreisförmige Bewegungen geprägt sind. Die Liebe zu den Menschen drückt Aikido durch rein defensive Techniken aus, die nicht auf Zerstörung ausgelegt sind, sondern vielmehr die Option für den Angreifer bieten, seine Aggression zu überdenken und wieder auf den Weg der Harmonie und Liebe zurück zu kehren. Welch ein humaner Ansatz in einer heute von brutaler Aggression und menschenverachtenden Kriegen geprägten Welt!
Mit dem Begriff Ki = geistige und universelle Energie tun wir uns als Europäer schwer. Es ist nicht einfach die Bedeutung der universellen und der eigenen geistigen Kraft zu verstehen und in Relation zum Aikido zu setzen. Am ehesten ist Ki für uns mit dem Erkennen und Nutzen von Energieflüssen zu übersetzen. Da es in erster Linie um das Lenken der Angriffsenergie geht, ist Aikido nicht auf körperliche Kraft angewiesen, womit es sich sehr gut für Kinder und Frauen eignet und bis ins hohe Alter praktiziert werden kann. Die Entwicklung und Stärkung des eigenen Ki durch Atemkraftübungen und Meditation, sowie die Konzentration auf das Körperzentrum (den Körperschwerpunkt), in dem das Ki gebündelt wird, ist ebenfalls ein Schwerpunkt des Aikido.
Da Aikido eine Kunst ist, die es über viele Jahre zu erlernen gilt, macht man sich bildlich gesehen dazu auf seinen eigenen Do = Weg. Mit jedem Training gelangt man einen kleinen Schritt weiter auf diesem Weg. Oft sind es nur Mosaiksteinchen, die man in einem Training begreift, die aber am Ende des Weges ein Gesamtbild ergeben. Man darf am Anfang sicherlich nicht zu viel erwarten und muss an seinem Weg festhalten, denn die Aikido-Techniken sehen auf den ersten Blick harmonisch und leicht aus, dass man glaubt, diese schnell erlernen zu können. Die ersten eigenen Versuche lassen dann die wahre Kunst erahnen und leider geben zu viele zu früh auf, den Weg weiter gehen zu wollen.
Für mich ist das eigentlich faszinierende am Aikido, dass es nicht auf die Übungen im Dojo begrenzt ist und das es primär auch nicht um die Vorbereitung auf die Bewältigung eines körperlichen Konfliktes geht. Aikido ist vielmehr eine Philosophie, die über das Training hinaus die innere Einstellung prägt. Das Erkennen von Aggressionen, die Fragestellung des Umgangs mit Konflikten, das Umlenken negativer Energien, Harmonie und Liebe von Geist, Herz und Körper, all das kann im täglichen Leben, im beruflichen wie privaten Umfeld, im geistigen und körperlichen Sinne, angewendet werden. Wenn man die innere Ruhe, das Ziel der Harmonie und der Liebe nicht außer Acht lässt, können einen Aggressionen nicht treffen. Diese universelle Anwendbarkeit des Aikido ist wirklich faszinierend!
Ebenso fasziniert mich die Vielseitigkeit des Aikido, die durch die Integration von Messer (Tanto) -, Schwert (Ken) - und Stock (Jo) -techniken geprägt und damit unter den Kampfkünsten einzigartig ist. Die Kombination der unterschiedlichen Techniken, Waffen und Ausführungsoptionen (Ura und Omote) erscheint unendlich und reicht für einen langen, einen lebenslangen Weg.
Wer Anerkennung und Erfolge durch Wettkämpfe sucht, findet dies im Aikido nicht. Morihei Ueshiba hat Wettkämpfe aus mehreren Gründen abgelehnt: Wettkampf weckt Eitelkeiten, Konkurrenzdenken und birg ein hohes Verletzungsrisiko. Dennoch ist Aikido nicht orientierungslos, denn es gilt das hohe Ziel der Harmonie von Geist, Herz und Körper – ohne Wettkampf – zu erzielen.
Ich hoffe, dieser persönliche Ausblick macht neugierig und verleitet den Leser sich mit dem Thema Aikido auseinander zu setzen. Ein Probetraining oder auch nur ein Zuschauen ist im Dojo in Neuwied (Jugend- / Erwachsenentraining) oder in Bad Breisig (Kindertraining) während der Übungszeiten jederzeit möglich und auch gewünscht!
Frank Kaiser
3. Kyu, im März 2006
Aikido-Literaturliste
Historie des Aikido
·
John Stevens: Unendlicher Frieden
deutschsprachig; ISBN 3921508894
der Lebensweg und das Lebenswerk von Morihei Ueshiba biografisch beschrieben;
viele historische Fotos des jungen und alten O Sensei
·
Kisshomaru Ueshiba: Der Geist des Aikido
deutschsprachig; ISBN 3 932337 37 9
geschrieben vom Sohn des Aikido-Begründers; viele historische Hintergründe und
Fotos; weniger ein Technikbuch sondern vielmehr ein Buch, dass die Philosophie
des Aikido in den Vordergrund stellt
Technikbücher
·
Aikikai de France: AIKIDO Technique Tome 1;
französischsprachig; ISBN 2 9515222 1 5
Standardwerk des französischen Verbandes FFAB; umfassendstes Technikwerk welches
Suwariwaza (beide Partner knien); Hanmihandachiwaza (ein Partner kniet);
Tachiwaza (beide Partner stehen) und Ushirowaza (Techniken von hinten) umfassend
darstellt; alle Techniken werden in Ura- und Omote-Ausführung aufgezeigt; sehr
gute Schwarzweißfotografien
· A.
Westbrook und O. Ratti: Aikido und die dynamischen Sphäre;
deutschsprachig; ISBN 3 921508 74 6
einzigartiges Buch ohne Fotos! Stattdessen werden die Techniken zeichnerisch
dargestellt; mit Pfeilen werden Bewegungsrichtungen und Rotationen
herausgearbeitet; viel Prosa, die versucht, asiatische Begriffe des Aikido für
uns Europäer verständlich zu machen und zu „übersetzen“
·
Kenji Shimizu: Aikido – The Heavenly Road
englischsprachig; ISBN 1 883695 02 3
kunstvoller Technikband mit Schwarzweißfotos; z.T. werden Techniken aus der
Vogelperspektive dargestellt
·
Gozo Shioda: Dynamic Aikido
englischsprachig; ISBN 0 87011 301 1
Gozo Shioda, direkter Schüler von Morihei Ueshiba vertritt das direkte „Vorkriegs-Aikido“;
effektive Techniken, gut präsentiert
·
Gozo Shioda / Yasuhisa Shioda: Total Aikido
englischsprachig; ISBN 4 7700 2058 9
nach dem Tode Gozo Shiodas erschienenes, umfangreiches Buch; sehr gut bebildert;
Schwerpunkte und Fehler bei der Ausführung von Techniken werden detailliert
aufgezeigt
·
Rolf Brand: Aikido – Lehren und Techniken des harmonischen Weges
deutschsprachig; ISBN 3 8068 0537 7
guter Mix aus Prosa und bebilderten Techniken; relativ wenig zu Jo- und
Ken-Techniken
Aiki Jo und Aiki Ken
·
Adriano Trevisan: Das große Lehr- und Übungsbuch
deutschsprachig; ISBN 3 502 67597 X
gut bebilderte Darstellung der Techniken; Fußfolge wird übersichtlich in
Skizzenform dargestellt; ausgiebige Darstellung von Aiki Jo-Techniken
·
Reiner Brauhardt: Aiki Jo
deutschsprachig; ISBN 3 00 011531 5
kleines, aber feines Werk rund um Aiki Jo-Techniken; Techniken werden sehr gut
fotografisch dargestellt; eine CD kann dazu erworben werden, auf der die
Technikabläufe filmisch dargestellt sind; für Aiki Jo Fans sehr zu empfehlen, da
Jo-Techniken in den meisten Aikido-Büchern nur spärlich beschrieben werden
·
Axel Schulz-Gora: Bokken – Das hölzerne Schwert der Samurai
deutschsprachig; ISBN 387892069 5
vieles zu den Hintergründen des Bokken; Techniken und Etikette werden gut
beschrieben
Schwerpunktbücher
· Koretoshi
Maruyama und Koichi Tohei: Aikido mit Ki
deutschsprachig; ISBN 3 921508 25 8
sehr interessant für diejenigen, die sich mit der Ki-Thematik auseinandersetzen
möchten; Darstellung von Ki-Übungen wie z.B. „der
unbeugsame Arm“